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Montag, 27. Januar 2020

Ein Jahr danach: Vom Reisen.

Heute vor einem Jahr bin ich aufgebrochen. Vielen Dank an Facebook für die Erinnerung daran. Vor einem Jahr also. Auf nach Thailand. Auf jeden Fall auf eine Reise. Ich erinnere mich noch gut daran,  wie ich im Flughafen sitze, in die regenverhangenen Wolken Berlins schaue und auf's Boarding warte. Aufgeregt? Ja. Aber irgendwie auch die Ruhe selbst. Heute weiß ich, was in-sich-selbst-ruhen bedeutet. Oder habe zumindest hin und wieder eine kleine Ahnung davon. 

Muss man wirklich 8969 km weit fliegen, um eine Reise zu machen? Wahrscheinlich nicht. Und dennoch waren diese 8969 km nur der Startschuss für eine viel größere Reise. Der zu mir selbst. Heute, ein Jahr danach, wohne ich woanders und alleine, habe eine andere Rolle in meinem Job und meine mich ein kleines Stückchen besser zu kennen. Habe ich mehr Antworten? Eigentlich nicht, nein. Aber ich stelle mehr Fragen. Stelle sie in einem Kontext, der mir vorher nicht die Sicherheit gegeben hätte, sie zu stellen. Möglicherweise ist genau das die besagte Komfortzone. Aber es wird sich nicht die Umgebung verändern und diesen Kontext herstellen, sondern wir selbst sind es, die uns diesen Kontext schaffen. Wie? Da draußen muss sich gar nichts ändern - wir selbst sind es, die sich ändern können. Und damit ändert sich alles. Und schon seid ihr raus (aus der Komfortzone) und gleichzeitig mittendrin. Mitten auf der Reise, die sich Leben nennt. Der Flug nach Thailand? Wirkt nun wie der Nachhall der Startpistole im Nieselregen einer Großstadt im Januar.

"Die eigentlichen Entdeckungsreisen bestehen nicht im Kennenlernen neuer Landstriche, sondern darin, etwas mit anderen Augen zu sehen."
 Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Marcel Proust)

Montag, 1. April 2019

I did it my way.

"Mutig!" Das höre ich von vielen, denen ich in letzter Zeit von meiner Reise berichtet habe. Mutig, allein in ein asiatisches Land zu fahren. Dort dem Straßenverkehr zu trotzen. In den Dschungel zu laufen. Ich zucke nur mit den Schultern und fühle mich eigentlich gar nicht so, als hätte ich etwas Besonderes geleistet. I just did it my way.

"I've had it all" singt Harald Juhnke und ich denke oft daran zurück, seit ich hier bin. Ich hatte sie. Die Leichtigkeit des Seins. Das Vertrauen in die Menschen. Die Abwesenheit von Hektik trotz all dem, was ich auf meiner Reise gesehen und gemacht, ja gemeistert habe.

Das Internet ist voll von Artikeln, die der Frage nachgehen, wie schwer es ist, allein zu verreisen. Ist es nicht. Doch warum schreibt niemand, ja warnt einen niemand davor, dass es das Schwierigste ist, sich all das nach der Reise zu erhalten?

Ich verschlinge jede Doku über Thailand, um dieses Gefühl wach zu halten - ihm Futter zu geben. Doch abends um halb acht nach einem langen Arbeitstag, während man im Nieselregen auf die Bahn wartet, plant der Kopf schon wieder wie eh und je. Was kaufe ich zum Essen ein, wann kommt die Freundin rum, zum Sport müsste ich gehen, mist, Wäsche vergessen, und oh, ich muss das Meeting noch vorbereiten. Ich bin überzeugt, all dies könnte auch mit der Lockerheit der Planung auf meiner Reise passieren, doch der Kopf malmt in alten Mahlwerken. Viel zu schnell wieder in alte Fahrwasser geglitten ohne es so richtig zu merken. Dazwischen kurze Szenen der Reise. Wie Blitze, die das Organisationskarussell kurzzeitig unterbrechen. Doch darin verweilen gelingt nicht, zu groß ist die bunte Masse des Alltags.

Mutig? Ich weiß es nicht. Meine Anerkennung gilt dem, der es nach der Reise schafft, das Gefühl, die Änderungen an der eigenen Person und ein wenig diese unendliche Leichtigkeit aufrecht zu erhalten.



Freitag, 22. Februar 2019

Was, schon Zeit für ein Fazit?

Ich bin durch den Dschungel gerannt, habe Fische und Elefanten gesehen, auf Bangkok geblickt. Unglaublich, was ich in drei Wochen alles erlebt habe. Viel, viel zu schnell ist die Zeit vergangen. Mich selbst gefunden? Habe ich nicht. Ich habe einfach einen neuen Flecken auf dieser Erde entdecken dürfen. Ein Erfolg? Das war die Reise auf jeden Fall! Mein Fazit? Alleine reisen ist gar nicht so anders.

Man überlegt nicht lange, sondern irgendwie ergibt es sich immer schnell: wo man isst, was man am nächsten Tag macht, wann man losfährt zum Flughafen. Wahrscheinlich weil man es einfach innerlich weiß. Und einfach macht. Überhaupt habe ich hier begonnen, viel mehr im Moment sein zu können, statt lange nachzudenken. Denn dieser Moment kommt nicht wieder. Ob du nun in der sengenden Sonne auf die Polizei wartest oder die ersten Fische im glasklaren Meer erblickst.

Man ist relaxter, auch wenn mal was schief geht: das innere "och schade" ist schnell überwunden, Pläne schnell geändert. Seine Komfortzone kann man sich überall schaffen. Und hin und wieder lockt einen die Welt dann sowieso heraus.

Was ich gelernt habe - hier in aller Kürze:

Reiseplanung:
Das Planen der Weiterreise ist etwas lästig, da man manchmal das im Moment sein gegen ein lahmes wlan tauscht.

Das Wichtigste was ich mithatte: 
Powerbank und Handy. Für Fotos, Telefonate mit der Polizei und Kontakt zu all den Lieben.
Zudem: Lange dünne Hose und T-Shirts für muslimisch geprägte Gebiete und die vielen Tempel.

Was ich hätte zuhause lassen können: 
So allerlei. War ja klar. Die Bücher. Tops. Kleider, die über dem Knie enden. Aufgrund meiner Unterkunftswahl hätte ich auch kein Mosquitonetz und keinen Steckdosenadapter gebraucht.

Was ich (über mich) gelernt habe: 
Ich krieg das alles hin und es wird schön. Keine Langeweile zu keinem Zeitpunkt. Nächstes Mal: Immer einen Tag länger bleiben, um Gesehenes zu verarbeiten und die Erholung nicht zu vergessen. Mal gar nichts anzusehen, sondern nur aufs Meer zu schauen.

Und: 
Die Menschen sind nett. Sie helfen, wenn man Kurven nicht verträgt, sie sorgen für tolle Gespräche beim Abendessen oder nach Sonnenuntergang, man kann mit ihnen einen lockeren Tag auf See verbringen. Und selbst wenn man mit einem verschrammten Auto zurückkehrt: Nett bleiben, konsequent, nicht nachgeben. Und dann kommt diese Nettigkeit auch zu einem zurück. Lächeln! Und entspannt bleiben. Einfach mal keine Sorgen machen und den Moment nehmen wie er ist.

Ob es der Buddhismus ist oder die erste Soloreise: das nehme ich mit. Nach Hause.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Bangkok

Bangkok ist anders. Hier gibt es alles: die wirklich allergrößte Armut, zwielichtige Typen, luxuriöse Skybars. Und dazwischen eine riesiger Haufen Touristen. Die Khao San Road, dessen Straßenmarkt als Backpacker ja quasi zum Pflichtprogramm gehört, empfinde ich als aufdringlich. Ob es die 10 Baht sind, damit man ein Foto von gerösteten Skorpionen machen kann, oder die mindestens 10 Händler, die einen ansprechen, während man hindurchschlendert und versucht zwischen Billigwaren aus China das eigentliche Bangkok zu entdecken: die Stadt lässt sich schwerlich erfassen. Es sind nahezu 40 Grad und der Smog lässt die Sonne nur gedämpft hindurch. Am Rande der Bars, wo Touristen sich überteuertes Chang gönnen, um ihr neues Henna Tattoo zu feiern, gibt es ein paar Essensstände, wo dies vielleicht noch gelingen mag.


Ein bisschen Echtheit entdecke ich, als ich morgens bereits um halb neun durch das Universitätsgelände laufe. Es ist schon jetzt unglaublich heiß, doch auf dem Campus fühle ich mich wohler. Nach einer halben Stunde Spaziergang brauche ich Abkühlung in einem klimatisierten Cafè. Draußen ziehen in Scharen die Reisegruppen auf dem Weg zum Großen Palast vorbei.

Hier scheint es als sei ganz China hier. Es ist unglaublich voll, kein Foto, kein Blick nach oben zu den wunderschönen Dekorationen der Gebäude ohne angerempelt zu werden. Kein Stehenbleiben, um die Geschichte der Wandmalereien zu verstehen, denn man wird weitergedrängt. Nach kaum 5 Minuten steigt eine Aggression in einem hoch, die wohl nicht im religiösen Sinne der eigentlich unglaublichen Anlage wäre. Setze mich auf eine Stufe im Schatten, nicht ohne, dass mir zweimal fast der Plan aus der Hand gerempelt wird, um wirklich zu versuchen diesen Ort jenseits des Tourismus zu erfassen. Es ist unmöglich. Stelle mir vor, hier allein durchlaufen zu können.


Der Smaragdbuddha, welcher eigentlich aus grüner Jade gehauen wurde, sitzt ganz klein auf ein hohen goldenen Thron umgeben von vielen Statuen. Ich überlege, was er von dort oben wohl zum Treiben hier unten sagen würde. Fotos sind hier nicht erlaubt, doch diesem den Thais heiligste Ort ist - so mein Empfinden - jede Heiligkeit verloren gegangen. Es wird telefoniert, die Reisegruppe zusammengerufen, gedrängelt. "Be quiet" steht am Eingang und vor der Tür pfeifen die polizeilichen Ordner die Massen in die richtige Richtung. Um den Palast selbst wird man natürlich in guten Abstand herum geleitet, doch die Gebäude selbst sind wirklich schön, die Mosaike unzählbar und überall ist es so herrlich bunt und golden.

Wat Arun kann das allerdings noch überbieten. Auf der anderen Seite des Flusses gelegen ist dieser Tempel, geziert mit rosa Blüten und überbordenden Mosaiken, ein Traum. Ich finde hier auch die vermisste Ruhe einer Tempelanlage wieder. Ein letzter Blick auf Buddha und ein paar Mönche, die im Schatten sitzen.


Ein Spaziergang durch den Markt, ein Pad Thai und der Weg durch viele verschiedene Viertel bis Chinatown lässt mich Abschied nehmen von dieser Stadt. Ausklingen lasse ich diesen Besuch mit einem Blick von oben. In der Above Eleven Skybar. Mit einem Cocktail. Es war eine grandiose Reise! Auf mich!

PS.: Der Blick von hier oben ist unglaublich. Unweigerlich treibt es mir die Tränen in die Augen. Diese Stadt kann man nicht so schnell erfassen. Ich muss wiederkommen. Und dennoch bin ich auch ein klein wenig stolz auf mich. Viele haben ungläubig geschaut, dass ich alleine reise. Engländer, Spanier, Einheimische. Dennoch: Ich habe alles geschafft. Auch wenn nicht immer alles nach Plan lief - ich hab das gewuppt! Ich glaube heute Abend habe ich gemerkt, dass ich alles schaffen kann. Und konnte es so richtig genießen. Der beste Mojito on top of the world! Na - zumindest gefühlt. 



Donnerstag, 7. Februar 2019

Verliebt

Es ist Koh Lanta. Der wirklich entspannteste, gemütlichste und schönste Ort dieser Reise. Es sind die vielen Strandbars, die auch wirklich wollen, dass du dort verweilst. Die Unkompliziertheit. Eine tolle Mischung aus allesamt sympathischen Mitreisenden und unheimlich netten Einheimischen. Die Klarheit des Meeres hier. Und ein fantastisches Abendessen in der süßen "Old Town" dieser Insel. Ich würde gern bleiben.

Doch das ist Licht- und Schattenseite einer solchen Erkundungstour, wie ich sie mache. Bleiben oder mehr kennen lernen? Es gibt kein richtig oder falsch. Ich werde wohl weiterreisen. Und wiederkommen.








Sonntag, 3. Februar 2019

Roadtrip

I'm on the road again. Scheint irgendwie meine natürlichste Reiseform zu sein. Das merke ich, als ich mitten auf der Hautstraße eine Vollbremsung hinlege und wieder rückwärts fahre. Es gibt einen Höhlentempel zu besichtigen. Davor - ein riesiger Markt mit allem, was das Feinschmeckerherz begehrt. Ich bin im Tempel (Wat Suwan Khuha), dessen riesiger liegender goldener Buddha wirklich beeindruckend ist, als mich die russisch und chinesisch sprechenden Touristen zu nerven beginnen. Ich kaufe auf dem Markt davor einfach alles ein, worauf ich Lust habe. Was ich da kaufe - keine Ahnung. Aber meine (inzwischen Lieblingssüßigkeit) die gefüllten kleinen Teigfladen haben sie da auch. Minuten später sitze ich essend im kühlen klimatisierten Auto in fahre durch die atemberaubende Felsenkulisse des Phang Nga Nationalparks auf dem Weg nach Krabi. Ja, das ist wirklich meine liebste Reiseform...

Ein Stop zuvor auf meinem Roadtrip: Der Samet Nangshe Viewpoint. Man lässt sich mit ein paar anderen auf der Ladefläche eines Jeeps hoch fahren. Und zwar so richtig hoch. Die provisorische Schotterpiste aber hält uns - der Fahrer weiß, was er tut. Oben angekommen - habe ich mal wieder keine Worte:


Nach eine Fahrt, bei der ich einfach nur schaue und genieße lege ich noch einen letzte Station ein: Am Tha Pom Klong Song Nam kann man durch die Mangroven wandern habe ich gelesen. Ich lande zunächst auf einem rotsandigen Parkplatz am Rande eines Palmenwaldes. Folge den Schildern auf eine Art Dorfplatz. Ausgestorben. Ein paar Frauen räumen gerade die Waren ein, die wohl für größere Touristengruppen gedacht waren. Am Eingang des Parks werde ich aber ganz entspannt begrüßt, kaufe für 100 Baht ein Ticket und darf hinein. Wumm. Stehe ich im Dschungel. Ein steinerner Hochpfad führt durch die Vegetation. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist fast greifbar. Zunächst ist es wurzeltechnisch noch recht unspektakulär. Aber je länger ich die Bäume betrachte, desto mehr merke ich, dass sie wirklich fast alle verschieden sind. Hier wird der abgenutzte Begriff Artenvielfalt wirklich begreifbar! Staunend gehe ich weiter. Doch plötzlich leuchtet es blau-grün zwischen den Bäumen. Ein Bach. Und zwar einfach unfassbar klar. Daneben die "berühmten" Mangroven, deren Wurzelformen unendliche Geschichten erzählen. Fühle mich wie in einen Zauberwald versetzt. Man kann von oben die Fische im Fluss beobachten, als würde man tauchen. Dieser Ort ist wie magisch und ich koste es voll aus. Egal die Zeit - ich genieße einfach. Und schieße ein Foto nach dem anderen. Völlig beseelt fahre ich dann zu meiner nächsten Unterkunft.


Dabei fällt mir auf, dass sich Moscheen und Tempel hier wirklich abwechseln. Ein Ort so, ein anderer so. Ich finde das wunderbar, wenngleich sich respektvoll fast alle Frauen daran halten nicht in kurzen Kleidern oder Short herumzulaufen. Das entspannte Miteinander aber wird klar, als ich - schon ganz gekonnt - auf dem Markt nur wenige Meter die Straße hinunter nach einer wirklich wohltuenden Dusche mein Abendessen kaufe: mit Kopftuch, ohne, Bier verkaufend oder halal - alle reden miteinander und sind unglaublich freundlich. Hier funktionierts!

Donnerstag, 31. Januar 2019

Elefanten brauchen keine Worte


Was Marine-Navigationssysteme, Kühlanlagen, ein Restaurant und ein Hotel gemeinsam haben? Ich sitze in meiner neuen Unterkunft - und das alles ist ein Familienbetrieb. Unglaublich freundlich und fröhlich. Der Norden Phukets scheint etwas anders zu ticken als der Süden. Ich bestelle mir nach einem ereignisreichen Tag klassisch Pad Thai. So lecker (und ab jetzt in Deutschland wahrscheinlich nicht mehr essbar...)!


Ein Mädchen im Hello Kitty Schlafanzug betritt die Terrasse. Naja Terrasse ist zu viel gesagt; es handelt sich um die drei Tische hinter der kleinen Straßenküche. An der Kreuzung davor ist immer was los. Es herrscht zwar Entspanntheit, aber da verliert ein Moped ein paar Eiswürfel und dort stehen Muslime und Buddhisten nebeneinander und reden. Dieses Miteinander und - entschuldigt die Wiederholung, aber - entspannte Umgang miteinander würde ich mir häufig auch in Deutschland wünschen. Ein ganzer LKW voll mit Menschen auf der Ladefläche fährt vorbei. Möglicherweise sind es Mienenarbeiter. Die Armut hier ist allgegenwärtig.

Es ist das Ende eines spannenden Tages. Mittags im Phuket Elephant Sanctuary ist alles gut durchorganisiert und dennoch unglaublich entspannt. Ich muss das Wort so oft verwenden, denn es fällt einfach immer wieder auf. Nach einem leckeren Snack mit Sticky Reis und Mango (genial!) erklärt uns ein Guide die Geschichte der Einrichtung. Der Gründer hat lange mit Elefanten gearbeitet, aber als er ein altes Tier für seine letzten Tage irgendwo unterbringen wollte, gelang das nicht. So nahm er Kontakt mit der Leiterin des bekannten Sanctuary in Chiang Mai auf und letztlich gründete er dieses hier in Phuket. In einem Film (überhaupt ist alles sehr modern hier) wird uns gezeigt, was den Elefanten im Zirkus, für Shows oder durch Ritte mit Touristen angetan wird. Man kämpft mit den Tränen und versteht nicht, wie so etwas immer noch sein kann. Menschen sind sehr blind.

Dann dürfen wir sie beobachten. Nach Sicherheitseinweisung und in gebührendem Abstand. Denn viele Tiere haben Traumata oder Verletzungen. Zwei Elefanten werden im "Pool" nach Knochenbrüchen der Beine behandelt. Die eine  (es sind alles weibliche Tiere) musste erst lernen wie sie etwas zu fressen findet. Die andere ist auf beiden Aigen blind. Ihr Pfleger führt sie nur mit Worten. Denn schlau ist sie trotzdem. Als er schlief hat sie das Tor aufgemacht und ist zum Farmer nebenan gegangen. Kokosnüsse und Bananen klauen. Das Sanctuary musste ihm 5000 Baht Entschädigung zahlen und sie wieder abholen. Ach es gäbe noch viel zu sagen, aber manchmal ist es gut, einfach nur zu schauen.


Kurzerhand fahre ich danach zum Bang Pae. Es ist nicht weit, also wieso nicht. An der kurzen Straße sehe ich Bäume zur Kautschukgewinnung und dazwischen: weiße Kühe. Ein verlassener Parkplatz, ein paar Motoroller, alles ist geschlossen. Ich steige aus und laufe am Gibbon Rehabilitation Project vorbei (#ichliebediegeräuschehier). Es folgt ein kurzer aber steiler Pfad - mitten durch den Dschungel. Da gleich die Sonne untergeht, laufe ich eher wie diese Trailrunner bis hinauf. Klitschnass aber glücklich registriere ich, dass ich wirklich gerade mitten im Dschungel stehe. Auch hier: einfach nur schauen - und staunen.


Ich werde mich die nächsten Tage auf Koh Yao Noi erholen und überhaupt erst mal alles verarbeiten. Es sei denn ich entdecke gleich die nächsten Abenteuer!

PS.: Mein Fazit für heute? Elefanten brauchen keine Worte. Sie brauchen jedoch unsere Stimme, die den Menschen aufzeigt, dass es möglich ist, mit den Tieren das nötige Geld zu verdienen ohne sie zu malträtieren. Ich wünsche noch vielen Elefanten diese Rettung. Auch wenn es nicht die Freiheit ist, brauchen sie diesen - unseren - Schutz.





Dienstag, 29. Januar 2019

Tierisch Thai.

Ich habe meine ersten Elefanten gesehen. Am Straßenrand. Auf dem Weg zum Karon View Point standen sie plötzlich da. Natürlich mit Touristen drauf. Irgendeins dieser Camps, die Elefantenreiten anbieten und damit denkarme Besucher glücklich machen.

Tierisch geht es hier oft zu. Am Viewpoint angekommen, kann man sich mit weißen Adlern fotografieren lassen. Für den Straßenhund, der im Schatten einer Palme schläft, interessiert sich hingegen niemand.

Etwas später beim Abendessen. Ich ordere Rind in Tamarindsauce ("not spicy please!") und bekomme gesagt, es sei "finito". Also dann eben Ente mit einer Haube aus Garnelen und Sesam. Klingt speziell, dann probiere ich eben das. Was kommt, ist dann doch irgendetwas in Sauce, scharf. Probiere trotzdem. Muss fast weinen. Als der Teller halb leer ist, kommt ein Keller mit der Ente. Ich versuche aufzuklären. Danach bricht hinter mir ein lautstarker Streit los. Die Chefin scheint die anderen Keller/innen anzubrüllen. Höre was mit "Mu", verstehe nur es geht um mich. Als ich mich melde und versuche aufzuklären, kommt die Chefin selbst und fragt, ob ich immernoch Ente essen wolle. Als ich ja sage, bekomme ich den Teller der Aufregung dann hingestellt. Esse danach unter Beobachtung von etwa 5 Thais. Merke: Höflich sind sie mir gegenüber immer - aber sie können laut werden ;-)

Zeit für's Bett.

PS: Natürlich war ich schwimmen am wunderschönen Nai Harn Beach. Mein Tipp: Ganz am Ende des Strandes ein schattiges Plätzchen auf den Felsen unter Palmen erobern. Von dort hat man einen fantastischen Überblick über die Bucht und das Leben am Strand, zwischen Familien aus aller Welt und Kokosnussverkäufern.

Um die halbe Welt fliegen - jetz versteh ich's.


Abflug.

So sieht sie also aus die Komfortzone. Grau. Sitze im Taxi zum Flughafen und sehe sie vorbeiziehen die Häuser. Unzählige Male gesehen. Heute schaue ich sie etwas anders an. Sie sind irgendwie auserzählt.

Flug.

Glücklicherweise werde ich aufgrund einer Umbuchung für meinen ersten Teil des Fluges von Berlin nach Moskau auf die Premium-Klasse gebucht. Mein Glück sollte ich erst später begreifen. Hier lasse ich mir (ganz italienisch...) Ravioli mit einem Glas Weißwein schmecken.

Bevor ich in die Sonne fliege, sehe ich hier in Moskau allerdings noch mal viel Schnee! Die Räumfahrzeuge schaffen es kaum die Landebahnen freizuhalten. Vor dem Weiterflug braucht es eine Stunde, bis das Flugzeug wieder enteist werden konnte und es weitergeht. Dieses Mal in der normalen Touristenklasse.



Beim Landeanflug bin ich zunächst einmal schlecht drauf. 9 Stunden eingepfercht mit dem Ellbogen der Nachbarin in der Seite und kaum Schlaf hinterlassen Spuren. Ich verstehe jetzt Leute, die den Aufpreis für die erste Klasse in Kauf nehmen. Denn Klassenunterschiede gibt es hier tatsächlich. Das Essen kommt hier in einer kleinen Aluschale mit Mini-Plastikbesteck. Und nahezu ungenießbar. Während man isst, hat man praktisch überhaupt keine Bewegungsfreiheit, wenn die Tischchen hochgeklappt waren, kann man die Beine minimal anders anwinkeln. Drei Spielfilme später realisiere ich, dass ich wirklich um die halbe Welt fliege. Lang. Doch als ich den Sonnenaufgang sehe und dann wie auf dem Nichts einen kilometerlangen Sandstrand erblicke (irgendwie irrwitzig, dass das Flugzeug zuvor noch enteist worden war), kommt Vorfreude auf!

Ankunft.

Nachdem es wirklich so unkompliziert ist, wie alle sagen, sich eine SIM-Karte zu besorgen, Geld abzuholen und das Auto zu leihen, stehe ich mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken, den anderen vorne vor dem Bauch in einem Parkhaus. Ich soll wohl in den 5. Stock hatte die Dame beim Schalter gemeint, aber ich lerne hier meine erste Lektion. Ich frage. Und zwar gleich, auf der Stelle, den ersten, den ich sehe. Bevor ich schweißtreibend viel zu lange suche. Und siehe da - es ist genau so unkompliziert. Er schickt mich in die richtige Richtung, ich frage noch zwei Mal und bekomme den Aufzug gezeigt. Am Ende steige ich (ja, im 5. Stock) in das Auto. Von rechts. Auf geht's in den Linksverkehr.

Dieser ist im Grunde wie in Italien. Nur eben andersherum. Wobei, nur weil Linksverkehr ist, heißt es nicht, dass einem nicht auch links ein paar Motorroller entgegenkommen können. Die Spur für die Roller - da herrscht glaube ich ein eigenes Gesetz. Das erste Mal rechts abbiegen, an einer Ampel anhalten (mit Sekundenanzeige, wann grün wird!) und der erste Kreisverkehr - alles gemeistert, man muss sich nur wirklich konzentrieren! Und genauso entspannt bleiben, wie die anderen hier.

Nach über 15 Stunden Reise, einer einstündigen Autofahrt und kurzer Ankunft, sitze ich nun also vollgepflastert mit in strategischer Reihenfolge aufgetragenem Sonnen- und Mückenschutz am Meer. Und esse. Endlich. Es ist zwar bewölkt und von Mücken keine Spur, aber was solls! Auch als ich danach eine Gasse voller Fischmärkte betrete und das wahre Leben der Einheimischen kennen lerne, fühle ich mich nie unwohl. Die Thais geben einem nicht das Gefühl, aus Tourist unerwünscht zu sein. Aufs Meer blicken. Nichts denken müssen. Ach schön.



Erste Eindrücke.

Den Standard, den man aus Europa mitbringt, muss man bei Abreise einfach mal dort lassen. In meiner Unterkunft, gibt es statt Fenstern hauptsächlich Fliegengitter, ein Fenster (ja doch im Bad ist eins) hat einen Sprung aber die Dusche nach der Ankunft ist einfach wunderbar! Es gibt im Grunde kein draußen und drinnen. Beim Frühstück sitze ich - man würde sagen auf der Terrasse. Doch unter dem Wellblechdach ist es so viel mehr als eine Terrasse. Es ist Lager für Handtücher, Putzmittel und so weiter, Technikraum (ja, der Router hängt hier, ebenso wie zwei Verteilersteckdosen), Wohnzimmer. Ja genau, hier steht eine Couch und ein Bücherregal. Und der Kühlschrank.



Was ich jetzt schon mag sind die Geräusche. Exotische Vögel (ja es klingt zum Teil wirklich wie auf den CDs!) scheinen zu lachen, während entspannt die Tassen für das Frühstück klappern. Überhaupt sind alle so entspannt. Ich hoffe, das überträgt sich in ausreichendem Maße.

Allerdings: Wie die Thais mit ihrer Umwelt umgehen sehe ich beim Abendessen, als die Kellnerin die Kaffeereste der Gäste Tasse für Tasse über das Mäuerchen ins Meer kippt. Die Gedanken daran, was man damit anrichten kann, scheinen hier weit weg. Auch sehe ich auf meinem Rückweg vielfach Müllsäcke am Straßenrand, einfach ins Grüne geworfen.

Ich bin gespannt, auf meine Eindrücke, wenn ich erst einmal geschlafen habe und bei vollen Sinnen bin. Es ist 18 Uhr und ich gehe ins Bett.

Ausblick.

Heute spring ich ins Meer!

Samstag, 26. Januar 2019

Der größte Fehler - oder: noch 1 Tag bis zum Abflug

Der größte Fehler wird die Menge an Zeug sein, die ich mitnehme. Ja, das sagen mir alle und dennoch muss ich vermutlich meinen eigenen Fehler eben machen. Vielleicht sollte ich noch eine Creme gegen Zerrungen einpacken... 

So geht es mir seit ein paar Tagen, in denen mir immer wieder Dinge einfallen, die nützlich sein könnten. Ich lese Blogs und Facebookkommentare von anderen unsicheren Vor-Reisenden und fühle mich schon als Experte. So in der Theorie. Nebenbei drehe ich den Packbeutel viermal um und quetsche ihn etwas tiefer hinein in den Rucksack. 

Naja und ganz unschuldig ist die Menge an Büchern auch nicht. Als Verweigerer von elektronischen Buchabspielgeräten (diese "Reader" - nein ich lese gefälligst selbst, pah!) mag ich Bücher einfach in ihrer papierernen Form. Mich begleiten auf diese Reise also:

Bodo Kirchoff mit "Verlangen und Melancholie"
"ZEN und die Kunst ein Motorrad zu warten" von Robert M. Pirsig
"Die Gabe der Empathen" (...schließlich möchte ich ja auch etwas über mich lernen auf der Reise) und natürlich - um über das Land zu lernen:
Dumont: "Thailand - Der Süden"
"Der Inselguide Thailand, Geheimtipps von Freunden"

So ich glaube das reicht oder...?

Ich mache den Rucksack zu (es funktioniert!), ein breites Grinsen im Gesicht. Morgen gehts los. Und ich bin gewappnet für das was kommt. Ich freu mich einfach! 


...und vielleicht macht eine Reise zu planen auch schon - ein Stück weit - glücklich! Die übrigen knapp 9.000 km habe ich nun vor mir, auf gehts.

Freitag, 21. Dezember 2018

Dickhäuterplanung - oder: noch 37 Tage bis zum Abflug

Elefanten sehen! Und vor allem anfassen! Ein Traum geht für mich in Erfüllung! Okay okay, erst in 41 Tagen - aber langsam steigt die Vorfreude. In den letzten Tagen habe ich mit den Planungen begonnen. Also nicht diese ganz Allgemeinen, sondern jetzt wird's konkret! Die ersten drei Unterkünfte stehen und eben ein Besuch im Phuket Elephant Sanctuary.

Die erste Woche ist also schon mal gefüllt und ich freue mich auf die vielen Eindrücke. Danach versuche ich es ruhiger angehen zu lassen und nicht schon jetzt alles durchzuplanen. Etwas auf mich zukommen zu lassen - auch das will gelernt sein. Wann kann man besser damit anfangen, als vor einer Reise, bei der ich ja sowieso nicht weiß, was auf mich zukommt. Und sie genau aus diesem Grund antrete. Hört sich zwar relaxed an, aber ein paar Schmetterlinge melden sich schon hin und wieder. Also wahnsinnig spannend wird's!

So, mein Zwischenstand: Flug: check, Rucksack: check, erste Unterkünfte: check. Elefanten: ich komme!

Montag, 19. November 2018

Vertrauen - oder: noch 69 Tage bis zum Abflug

Ich schalte den Fernseher aus. "Wie weit ist weit?", fragte die Stimme aus dem Off. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Weit. Lang. Viel. Undefiniert.  Vielleicht für jeden anders? Brauchen wir das Wort, um eine Distanz zu beschreiben, die wir nicht benennen, uns eigentlich nicht vorstellen können? Oder geht es gar nicht um Kilometer? Ist weit das, was wir denken zu brauchen, um von bestimmten Gedanken oder manchmal gar uns selbst wegzukommen? Weit genug weg? Dann gibt es kein weit. Dann kommt weit quasi mit.

Ich habe den Film "Weit." von Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser gesehen. Er macht Lust auf das Weit. Sie sagen, da draußen gebe es so viele tolle Menschen. Vertrauen. Sonst brauche man eigentlich nichts.

Das klingt gut. Und irgendwie trifft es den Kern meiner Reise. Auch wenn es nicht drei Jahre um die Welt gehen soll für mich. Aber für mich geht es eben in eine andere Welt. Weit weg.

PS.: Ob ich in dieser Welt allerdings Auto fahren sollte oder eventuell meine ersten Roller-Erfahrungen sammle, ist der Punkt, der mich die letzten Tage beschäftigt hat. In 70 Tagen werde ich darüber vermutlich lachen. Aber auf die Menschen freue ich mich. Und versuche zu vertrauen. Auch mir selbst.

Sonntag, 4. November 2018

Vorfreude - oder: Noch 84 Tage bis zum Abflug


Ich wälze mich im Bett herum und überlege, was ich alles in den Tagesrucksack bekommen muss. Und ich möchte so ein Mikrofaserbadehandtuch kaufen! Oh, und dieses deet-Mückenspray!

Ja genau. Es sind noch 85 Tage bis zum Abflug. Aber mein Kopf ist fast schon am Gate. Zumindest habe ich genau dieses Gefühl, als mir einfällt, dass ich ja auch einen Blog über meine Reise beginnen wollte. Warum also auch das auf die to-do-Liste schreiben, wenn man das auch gleich machen kann?
Nun gut, gleich war morgen - also gestern - aber hier bin ich! Weltentdecker, Backpacker, Neugier in Person. Naja das sind die Klischees, die gerne in Reiseblogs wie diesem stehen. Stimmt aber nicht ganz. Es ist tatsächlich meine erste Reise auf einen anderen Kontinent. Bis ich 20 war, hatte ich nur zwei deutsche Nachbarländer kennen gelernt. In den letzten 10 Jahren zog es mich dann in einige europäische Länder. Italien ist mir dabei ans Herz gewachsen. Dort hin zu reisen ist inzwischen wie nach Hause zu kommen. Doch nun möchte ich weiter. Raus aus der Komfortzone. Ja, ich will den Kulturschock. Daher also Asien. Da ich aber eher schüchtern bin, noch nie alleine verreist bin und mich selbst damit herausfordere, brauche ich ein Land mit Sicherheiten wie einer existenten Infrastruktur und der Möglichkeit, mit englischer Sprache zusätzlich zu der Verständigung mit Händen und Füßen weiter zu kommen. Eigentlich hasse ich touristische Ecken. Aber ein bisschen Tourismus gibt mir hier hoffentlich einen etwas leichteren Einstieg. 

So. 

Die drei Worte von oben könnten also auch "sich-was-beweisen" oder "kleiner-neugieriger-Schisshase" heißen. Aber ich gehe mir jetzt mal Backpacker-Rucksäcke ansehen!

PS.: Oh ich habe gar nicht verraten, wo es hingeht! Thailand. Schon von vielen bereist, Gruppen, Alleinreisenden, Aussteigern. Doch für mich ist es etwas besonderes. Für mich ist es die erste Reise. Und die ist eben immer etwas Besonderes.